-
Projekte / Neufreimann WA4
München
Wohnungsneubau mit Haus für Kinder und Tiefgarage und Freianlagen
2024
GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH
Die exponierte Lage in Neufreimann und der quadratische Zuschnitt des Grundstücks sind Ausgangspunkt der Überlegungen. Der Entwurf lebt vom Spannungsverhältnis der geometrischer Strenge des quadratischen Blocks einerseits und der Brechung dieser Geometrie andererseits durch Höhenversätze, durch individuelle Bezüge der vier Gebäudeseiten zum umliegenden Stadtraum sowie durch vertikale Fugen. Die Fugen lösen die vier Gebäudeecken baukörperlich aus dem Geviert des Blocks, stellen sie aus der abstrakten Großform frei und reflektieren damit die stadträumlich herausgehobene Lage, mal als Hochhaus, mal als Hochpunkt. Variationen und morphologische Veränderungen im Fassadenbild der vier Gebäudeseiten, sei es zum Park, zum Grünboulevard oder zur Ringstraße, spiegeln die jeweilige Ausrichtung und Lage im Stadtraum.
Das Motiv einer die vier Gebäudeecken umschließenden Schale als Variation des Quadrats dient als Ordnungselement für den Aufbau der Grundrissstruktur und der Fassaden. Die Schale ist Ausdruck der Ambivalenz zwischen Innen und Außen, von Raum und Körper, von Geschlossenheit und Weite. So ist der Gebäudering des Blocks in vier eigenständig erschlossene Quadranten geteilt, die sich mit jeweils einer Gebäudeecke um den Innenhof legen. Die Grundrisse jedes Quadranten gleichen sich im Aufbau, die Zuschnitte variieren je nach Himmelrichtung und Gebäudehöhe.
Wir begreifen Neufreimann als urbanen Ort klassischer Ordnung, der an gründerzeitliche Wohnquartiere Münchens anknüpft. Inspiriert von Beispielen des Mailänder Novecento wird auf die Farbgebung der Fassaden und die sorgfältige Gestaltung der Hauseingänge großen Wert gelegt. Die Eingänge liegen paarweise in den Durchgängen zum Hof von der Ringstraße und vom Grünboulevard aus. Von dort aus sind auch Abstellräume für Kinderwagen und im Süden der Gemeinschaftsraum erschlossen. Ein weiterer zentraler Durchgang von Westen unterstützt die Durchlüftung. Dort befinden sich beidseits Fahrradabstellräume. Im benachbarten Mobilitätszentrum können Lastenräder geliehen und Reparaturen durchgeführt werden. An den vier markanten Gebäudeecken befinden sich im Westen die Eingänge zu gewerblichen Nutzungen, im Südwesten ein Restaurant und im Nordwesten Läden. An den Gebäudeecken im Osten liegen die Zugänge in das Haus für
Kinder. Der Haupteingang befindet sich am Grünboulevard, von Norden an der Ringstraße wird die Anlieferung und Küche erschlossen.
Die differenzierte Gestaltung der Fassade lebt von der Variation nur eines Fenstertyps. Mal als ein dreiteiliges Fenster, mal als Loggia, im steinverkleideten Sockel auch zweigeschossig zusammengefasst oder mit Bogenabschluss. Die Obergeschosse sind in hellen Erdtönen verputzt, Faschen fassen die Fenster ein oder verbinden sie paarweise. Das Hochhaus ist im Sockel steinverkleidet und darüber mit einem roten Ziegel verblendet.
Eine möglichst wirtschaftliche und gleichermaßen nachhaltige Baukonstruktion steht im Mittelpunkt der Entwurfskonzeption. Grundlage des konstruktiven Rastersystems ist ein Modul von 3,90 x 3,90 Metern. Die cartesianischen Strenge der Geometrie erlaubt eine maximale Typisierung und Reduktion der Bauelemente und kommt bei geringen Spannweiten der seriellen Bauweise im Holzbau entgegen. Das durchgängige Konstruktionsraster erlaubt qualitätvolle Zimmereinheiten mit einem hohen Maß an Modularität und Wiederholung für die Wohnungsgrundrisse. Die Vertikallasten können ohne Versprünge effizient bis ins Untergeschoss abgetragen werden. Das Untergeschoss ist kompakt, im Zentrum bleibt eine nicht unterbaute Fläche von 7,80 x 7,80 Metern für die Anpflanzung von drei großen Bäumen frei.
Die gesamte Anlage kommt ohne notwendiges Anleitern der Feuerwehr im Brandfall aus. Die baulichen Rettungswege werden pro Quadrant jeweils über ein außenliegendes Sicherheitstreppenhaus nachgewiesen. Je ein Treppenhaus erschließt pro Geschoß sieben Wohnungen. Die Wohnungen haben allesamt Balkone oder Loggien und mindestens eine Ausrichtung nach Süden, Osten oder Westen. Größere Wohnungen sind zweiseitig orientiert oder zum Durchwohnen. Die Wohn- und Schlafräume sind durch breite dreigeteilte Fenster großzügig belichtet. Sanitärzellen sind zu Clustern verbunden.
Ein gemeinschaftlicher Dachgarten bietet den Bewohnern sowohl Rückzugsmöglichkeiten als auch gemeinsame Begegnungsräume. An Balkonen im Hof und an Loggien der Außenfassaden mit Bodenanschluss sorgen Kletterpflanzen für eine schnelle Pionierbegrünung.