Wohnen in Potsdam-Krampnitz
Offener Realisierungswettbewerb, 2018
2. Preis 

Das alte Kasernenareal am Krampnitzsee westlich von Potsdam lag lange im Windschatten der rasanten Entwicklungsdynamik der brandenburgischen Landeshauptstadt. Diese Tage sind vorbei. Nun entsteht dort ein Vorortquartier, das mit einer in die reizvolle Havellandschaft gebetteten Bebauung die Vorzüge von Stadt und Natur gleichermaßen ausspielen kann. Eine zentrale, in Ostwest-Richtung verlaufende Grün- und Aktivitätsachse mit Stadtpark und Plätzen bildet das Rückgrat des neue Stadtteils und verbindet die denkmalgeschützte historische Kaserne mit den Neubauquartieren. Entlang dieser Achse reiht sich gewissermaßen die moderne Allmende: Spiel-, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten sowie Einrichtungen für die Gemeinschaft. Die räumliche Struktur des neuen Viertels folgt stets der klassischen bürgerlichen Unterscheidung von Öffentlich und Privat, Straße und Hof, Außen und Innen. Seinen kohärenten Charakter bezieht der Stadtraum aus den präzise dimensionierten Straßen, Plätzen und Grünanlagen, der Betonung von Sichtachsen sowie der geglückten Ensemblewirkung der Fassadengestaltung. Neben diesen Qualitäten überrascht die für einen peripheren Standort ungewöhnliche Dichte und Funktionsüberlagerung, die einer gewissen Unbestimmtheit Vorschub leisten und damit jenen Freiraum eröffnen, der die Voraussetzung jenes städtischen Lebens ist, das vor allem die gründerzeitlichen Viertel unserer Städte auszeichnet. Die Strategie, der kommenden Entwicklung durch Nachverdichtungsoptionen Raum zu geben und zugleich mit einer möglichst nutzungsoffenen, nicht ausschließlich auf das Wohnen ausgerichteten Baustruktur alle Lebensbereiche abzudecken, ist das Unterpfand jeder Urbanität.

Projektteam: Jens Jakob Happ, Silvia Santos
Zusammenarbeit: Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin, P4LOESSE Stadtplaner, Berlin